Impressum | Datenschutzerklärung
BÜRGERSTIFTUNG
GUTSPARK NEUKLADOW

Ein Gedenkstein für Else. August Gaul als Hofbildhauer Neu-Cladows

Sonntag, 7. Juni 2015, 14:00

Neu-Cladower Salon mit Dr. Miriam-Esther Owesle

August Gaul„In den winzigen, anderthalb Zentimeter großen Bronzesolitären (...), bis zu der gewaltigen Gruppe kämpfender Auerochsen vermochte er sich in dem ihm eigenen monumentalen Stile auszudrücken", schreibt Johannes Guthmann in seinen Lebenserinnerungen über den Berliner Tierbildhauer August Gaul und charakterisiert damit einen elementaren Wesenszug des Künstlers, der als Gründungsmitglied der Berliner Sezession um 1900 an der Spitze der künstlerischen Avantgardebewegung der Reichshauptstadt stand.

Dass August Gaul zum Hofbildhauer Neu-Cladows wurde, verdankt sich der ebenso natürlichen Gestaltung wie formal reduziert-konzentrierten Auffassung seiner Plastiken. Diese kennzeichnet nicht nur die Vielzahl Gaul'scher Kleinbronzen, die sich in Johannes Guthmanns Besitz befanden, sondern auch den lebensgroßen Eselreiter, der einstmals im Gutspark nahe Blumenparterre und Gartenpavillon stand und heute im Vestibül des Spandauer Rathauses Aufstellung gefunden hat.

Und auch der quaderförmige Gedenkstein mit Goethe'schen Versen, den wir noch heute im Elsengrund bewundern können, stammt von August Gaul.

Trotz Not der Inflationszeit machte der Bildhauer ihn Johannes Guthmann zum Geschenk – im Wissen um Guthmanns unverbrüchliche Liebe für seine früh verstorbene Schwester Else und aus jenem tiefen Gefühl der Freundschaft heraus, die August Gaul mit dem spiritus rector von Neu-Cladow verband. Dabei entsprach Gauls künstlerisches Credo in besonderem Maße auch der Kunstauffassung Guthmanns: „Ich will gar nicht die Natur pedantisch imitieren", beschrieb der Bildhauer seine Intention, „sondern das Typische und ihren seelischen Kern festhalten."