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BÜRGERSTIFTUNG
GUTSPARK NEUKLADOW

Der Gutspark

Die Erinnerungen Dr. Johannes Guthmanns an seine Kindertage waren eng verknüpft mit den sonntäglichen Ausflügen in das "kleine Schlösschen". Zunächst ging es vom Elternhaus am Sandwerder in Wannsee mit der Kutsche über Sacrow nach Kladow, später setzte man mit einem aus Paris herbeigeschafften "Seine-Dampferchen" über die Havel. Viele ungezwungene Nachmittage verbrachte er in der verwunschenen Menken'schen Gartenanlage.

Schultze-Naumburg verwandelte den zu einem Wald verwilderten Park in eine repräsentative Parklandschaft, legte die historischen Strfukturen frei, wandelte den gesamten baumbestandenen Elsengrund zu einem Wiesental um und gestaltete ein Naturtheater auf einem Geländegorn an der Zugangsallee. Vor allem öffnete er Sichten im Waldbereich und schuf wieder die wichtigen Blickbeziehungen zur Havel. Vor dem Verwalterhaus gestaltete er das formale Parterre, das er durch ein Nischenwand mit der "Loggetta" und der Pergola verband. Das Ergebnis würdigte Guthmann anlässlich eines kleinen Abendessens im Freundeskreis, darunter auch Schultze-Naumburg, ... "unter dessen geschickter Leitung sich Haus und Park so phönixartig verjüngt hatten". Guthmann wünschte sich schließlich "reicheren Blütenflor als er dazumal für üblich galt" (1).

Der junge, damals noch unbekannte Staudenzüchter Karl Förster wurde hinzugezogen. Dessen Angebot verwarf Guthmann jedoch mit den Worten: "Alles wunderschön - aber die Endsumme! Doch wohl ein Verkennen der Lage" (1). Guthmann entdeckte seine eigene gärtnerische Leidenschaft. Er teilte das nach Süden gerichtete Parterre in regelmäßige Blumenbeete und integrierte mittig ein gemauertes Wasserbecken. In den Blumengärten gruppierte er in neubiedermeierscher Manier farbenprächtige Stauden gegen einjährige Sommerblumen.

Erst später verband ihn mit Förster eine freundschaftliche Beziehung. Beim Entstehen des viele hundert Quadratmeter weiten Wildrosenhags vom Hauptportal hinab zum Elsengrund gab Förster "tagelang unverdrossen jeder Pflanze ihren Platz in dieser verhofften Farbenwirrnis, einem nordischen Geschwister der freilich üppigeren Blütenkaskaden der Villa Carlotta am Comer See" (1).

Der Gutspark Neukladow vermittelt in seiner Umsetzung von landschaftlichem Reiz, topografischer Besonderheit und deren architektonischer Überhöhung noch immer eine romantisch anmutende Stimmung, auch geprägt durch die von Guthmann ausgewählten Plätze ganz persönlicher Sinngebung wie Gauls Gedenkstein für seine Schwester Else, das Naturtheater – die aus den ehemaligen Hecken inzwischen ausgewachsenen Linden zeugen noch heute davon –, das Blumenparterre mit dem Wasserbecken und der Nischenmauer von Schultze-Naumburg.

Aufgrund seiner geschichtlichen, künstlerischen und wissenschaftlichen Bedeutung wurden die Gebäude gemäß Bauordnung Berlin im Jahre 1971 zum Denkmal erklärt, die Unterschutzstellung des Gutspark erfolgte 1988. 

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